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9 Geheimtipps in der Altstadt von Jerusalem

Alle Besucher, die in die Jerusalemer Altstadt kommen, besichtigen die Klagemauer und die Grabeskirche. Aber die Altstadt hat noch viel mehr zu bieten – hier eine Auswahl unbekannterer Sehenswürdigkeiten:

Die kleine Klagemauer

Nicht viele wissen es, aber es gibt noch ein weiteres Stück Klagemauer. Man könnte sogar sagen, dass dieser kleinere Teil heiliger ist, als die eigentliche Klagemauer, da er näher am eigentlichen Tempel und damit zum Allerheiligsten liegt. Ich zeige Menschen gerne die kleine Klagemauer, da diese, im Gegensatz zur Klagemauer, keine Synagoge ist und es daher keine Trennung in einen Bereich für Männer und einen für Frauen gibt – hier können Männer und Frauen nebeneinander an einem der wichtigsten Orte des Judentums stehen.

Wo? Im muslimischen Viertel, am Ende der Bab al-Hadad Straße, neben dem Eisentor des Tempelberges.

St. Jakobus-Kathedrale

Das armenische Viertel ist das kleinste Viertel der Jerusalemer Altstadt. Viele Touristen durchqueren es auf dem Weg zur Klagemauer, aber dabei verpassen sie einen ganz besonderen Ort. Die Armenier waren das erste Volk, dass das Christentum als Staatsreligion annahm und seit dem 4. Jahrhundert kamen armenische Pilger nach Jerusalem. Die meisten Armenier, die in der Altstadt von Jerusalem leben, sind keine Nachfahren der Pilger des 4. Jahrhunderts, sondern von Flüchtlingsfamilien, die nach dem Völkermord an den Armeniern 1915 nach Jerusalem emigrierten.

Im Herzen des Viertels steht die St. Jakobus-Kathedrale, die wichtigste Kirche des armenischen Volkes. Der Überlieferung nach sind zwei wichtige Persönlichkeiten mit Namen Jakobus in der Kirche bestattet. Der erste ist Jakobus der Ältere, einer der Zwölf Apostel, der durch König Herodes Agrippa umgebracht wurde. Sein Kopf soll in der Kathedrale beigesetzt worden seien und während seine Knochen nach Santiago de Compostela in Spanien gelangten – Santiago ist die spanische Version von Jakobus. Hier beginnt die Geschichte der berühmten Pilgerwege quer durch Europa nach Santiago de Compostella, deren Zeichen eine Jakobsmuschel ist. Der zweite ist Jakobus der Gerechte, einer der Brüder Jesu und der erste Bischof Jerusalems.

Wo? The Armenian Patriarchate Street. Täglich nur von 15.00 bis 15.30 Uhr geöffnet, sonntags geschlossen.

Unterirdisches Wasserbassin bei der 9. Station des Kreuzweges

Der Kreuzweg auf der Via Dolorosa hat 14 Stationen. Einige werden im Neuen Testament erwähnt, andere haben sich mit der Zeit etabliert. Die neunte Station, an der Jesus zum dritten Mal stürzte, gehört zu den neueren Traditionen. Es ist zudem die letzte Station vor dem Betreten der Grabeskirche. Dies wird auch der Grund sein, warum die meisten Leute schnell daran vorbeigehen. Aber wenn du in die kleine Kapelle gehst und 5 Shekel bezahlst, kannst ein paar Steinstufen zu einem 2.000 Jahre alten unterirdischen Wasserbassin hinabsteigen. Dies ist einer meiner Lieblingsorte in Jerusalem: hier spürt man einen Hauch des antiken Jerusalem.

Wo? Die 9. Station der Via Dolorosa. Der einfachste Weg dorthin ist über das Dach der Grabeskirche. Die Treppe zum Dach befindet sich in den Äthiopischen Kapellen, die rechts des Haupteingangs liegen.

Christuskirche

Juden beten in Synagogen, Christen in Kirchen. Und wo beten Juden, die an Jesus glauben? Die anglikanische Christuskirche wurde 1849 gebaut und war die erste protestantische Kirche im Nahen Osten. Sie wurde von einer messianischen Einrichtung gegründet, die Juden zum Christentum bekehren wollte. Man versuchte, den Raum möglichst angenehm für Juden zu gestalten, weswegen es keine Kreuze in der Kirche gibt und die Schriftzüge auf Hebräisch sind. Auch wurde „Jesus“ durch „Immanuel“ ersetzt. Immanuel ist einer der Namen Jesu in Anlehnung an eine Stelle beim Propheten Jesaja. Juden waren natürlich gegen solche Institutionen und heute ist Missionierung in Israel verboten. Heute beten Christen und Juden, die an Jesus glauben, gemeinsam in der Kirche.

Wo? The Armenian Patriarchate 55, in der Nähe des Jaffa-Tores, vor dem Eingang der Davidszitadelle.

Eine byzantinische Straße – mitten in der Stadt

Von manchen der hier beschriebenen Sehenswürdigkeiten muss man genau wissen, wo sie sind, um sie zu finden. Über andere stolpert man förmlich, ohne es zu wissen. In den 1970er Jahren, als der Staat die Wasser- und Stromleitungen in der Altstadt erneuerte, fanden Archäologen eine byzantinische Straße. Anstatt sie einfach freizulegen, entschied man, die Steine der Straße auf das heutige Straßenniveau anzuheben – mit der Konsequenz, dass Fußgänger faktisch auf einer 1.500 Jahre alten Straße laufen, ohne es zu merken.

Wo? Christian Street, christliches Viertel.

Aussicht über den Dächern der Stadt

Es gibt verschiedene Aussichtspunkte in der Altstadt, aber dieser ist einer meiner Favoriten. Obwohl man nicht hoch ist, bekommt man, wenige Meter über dem Tumult in den Gassen, eine völlig neue Perspektive auf die Stadt. Viele Besucher übersehen die Metallstufen, die auf die Dächer führen.

Wo? St. Mark Street.

Österreichisches Hospiz

Der Name erinnert an ein Krankenhaus, aber der Ort wurde eigentlich als Unterkunft für Pilger aus Österreich-Ungarn gebaut. Das Österreichische Hospiz wurde eingeweiht, als Kaiser Franz Joseph I. 1858 Jerusalem besuchte. Bis zur Eroberung des Nahen Ostens durch die Engländer gegen Ende des Ersten Weltkrieges 1917 diente es als Pilgerherberge. Nach dem Krieg diente es als Waisenhaus, Internierungslager und Krankenhaus. Erst 1985 gab Israel es an die heutige Republik Österreich zurück, die es renovieren und wieder zu einem Gästehaus ausbauen ließ. Es gibt zahllose europäische Einrichtungen in der Altstadt, aber die Lage des Hospizes, im Herzen des muslimischen Viertels und neben der dritten Station der Via Dolorosa, bietet es sich wunderbar als Ort für eine Verschnaufpause an. Bei Israelis ist es auch berühmt für seinen Apfelstrudel – vielleicht nicht der beste der Welt, aber man kann ihn unter den wachsamen Augen Franz Josephs und Elisabeths (Sissi) zu sich nehmen. Das Hospiz ist eine wahre Oase der Ruhe in der Hektik der Altstadt und sein Dach bietet einen schönen Blick auf die Altstadt und den Tempelberg.

Wo? Dritte Station der Via Dolorosa, wo diese auf die Wadi Str. trifft. Einfach an der schmucklosen Tür klingeln, sie wird dann geöffnet.

Elias Photo Shop

Wenn du durch die Altstadt schlenderst, kannst du es nicht verhindern, an zahllosen kleinen Geschäften vorbeizukommen. Die meisten bieten mehr oder weniger das gleiche an, aber manche, wie Elias Photo Shop, verkaufen einzigartige Dinge. In diesem Laden verkauft George Fotos von Jerusalem, die seine Familie seit drei Generationen aufgenommen hat. Die wunderbaren Aufnahmen erinnern einen daran, wie sehr sich Jerusalem in den letzten 90 Jahren verändert hat. Wenn du ein besonderes Geschenk suchst, das du jemandem aus Jerusalem mitbringen willst, dann könnte das hier der perfekte Laden dafür sein. Viele verpassen den Laden, da er nicht an den Hauptstraßen liegt (allerdings sehr nahe).

Wo? Christliches Viertel, Al Khanqah (El khanka). Ein paar Geschäfte nach der 8. Station der Via Dolorosa.

Bilal – Oriental Fabric

Ein weiterer, besonderer Laden ist Bilals Oriental Fabric Shop. Er importiert Stoffe aus Syrien, Indien und der Türkei. Seine Kunden sind auch sehr interessant: Religiöse Menschen, seien es Juden, Muslime oder Christen, kaufen hier Stoffe für ihre tradionellen Gewänder ein. In Jerusalem als religiös geprägter Stadt ist man bei interreligiösen Initiativen oft misstrauisch. Manchmal scheint es, als ob Menschen verschiedenen Glaubens nur an solchen Orten zusammenkommen können – vielleicht nicht einmal, um zu kommunizieren, sondern um zu shoppen, aber das ist ja schon mal was.

Wo? Christliches Viertel, auf dem Markt, nicht weit von Muristan St.

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