Grabeskirche

Öffnungszeiten:
April bis September: 5.30 bis 21 Uhr
Oktober bis März: 4.30 bis 19.30 Uhr

Eintritt: frei

Die Grabeskirche ist für die meisten Christen der heiligste Ort überhaupt. Kriege, Erdbeben, viele Anbauten und Änderungen, die in den 1700 Jahren ihrer Existenz immer wieder vorgenommen wurden, gingen auf Kosten der Stattlichkeit dieser Kirche. Ihre eigentliche Schönheit liegt in ihrer Geschichte.

Geschichte der Grabeskirche

Die Kirche wurde im Jahre 335 von Helena, der Mutter Kaiser Konstantins erbaut, die, der Legende nach, den genauen Ort der Kreuzigung Jesu fand. Sehr wenig ist von dieser Originalkirche aus dem 4. Jahrhundert erhalten. Die Fassade der Kirche, die man vom Vorhof aus sieht, stammt hauptsächlich aus der Zeit der Kreuzfahrer, also aus dem 12. Jahrhundert.

In der Kirche befinden sich zwei besonders wichtige Stätten, Golgatha (übersetzt „Ort des Schädels“), der Ort an dem Jesus gekreuzigt wurde, und sein Grab. Viele stellen sich Golgatha als einen Berg außerhalb der Altstadt vor, aber dem ist nicht so; der Ort ist innerhalb der Kirche.

Die Kirche ist auch deswegen etwas Besonderes, weil sie nicht nur einer christlichen Konfession gehört, sondern sechs verschiedenen, die sich die Kirche teilen: Katholiken (Franziskaner), Orthodoxe und Armenier besitzen gemeinsam den größten Teil der Kirche. Die syrisch-orthodoxe Kirche, die Kopten und die Äthiopier besitzen kleinere Teile.

Die verschiedenen Konfessionen kamen nie sehr gut miteinander aus und daher wurden sie im Jahre 1852 von den Osmanen gezwungen, eine Erklärung zu unterschreiben, in der sie sich dazu verpflichten mussten, den damaligen Status Quo anzuerkennen. Die Erklärung war sehr lang und ausführlich. Das bekannteste Zeichen dieses Status Quo ist die hölzerne Leiter, die von außen an das rechte der beiden Fenster gelehnt steht. Sie wurde von den Armeniern hier hin gestellt, da es Zeiten gab, in denen die Muslime die Kirche ganz verschlossen und damit die Mönche in ihr einschlossen. Um sich mit Essen zu versorgen, kletterten die Mönche durch das Fenster auf einen kleinen Balkon, von dem aus mit einem Seil Essen und Trinken heraufgeholt werden konnte, das die armenischen Bewohner der Stadt in einen Korb am Ende des Seils legten. Heute ist die Kirche jeden Tag geöffnet, und die Leiter wird nicht mehr gebraucht. Warum steht sie also noch da? Weil in der Status Quo-Erklärung geschrieben steht, dass die Armenier das Recht haben, hier ihre Leiter anzulehnen. Jedes Mal, wenn sie also verrottet oder auseinander fällt, haben die Armenier auch das Recht, eine neue Leiter zu kaufen und sie wieder an das Fenster zu stellen.

Die Unverrückbare Leiter

Die Grabeskirche heute

Vielen Besuchern kommen diese Streitigkeiten und Konflikte dem Ort unangemessen banal vor. Doch selbst, wenn etwas daran sein sollte, so sollte man trotzdem versuchen zu verstehen, dass die Kirche für diese Gruppen der heiligste Ort überhaupt ist. Sie haben über hunderte von Jahren in diesem Gebäude gelebt, und niemand möchte auf diese Ehre verzichten oder erleben, dass ein anderer ihre Rechte verletzt.

Im Inneren der Kirche herrscht meist hohe Betriebsamkeit. Die Lautstärke, das Wirrwarr, die vielen Touristenführer und ihre Gruppen wirken auf viele Besucher enttäuschend. „Das hier ist eher ein orientalischer Markt als ein heiliger Ort“, hört man Besucher immer wieder sagen. Wer die Kirche in Ruhe erleben will, sollte versuchen, am späten Nachmittag, Abend oder morgens vor dem Frühstück zu kommen. Wer zur „Rush Hour“ kommt, sollte Geduld mitbringen und versuchen in allem Treiben trotzdem die Wunder dieser Kirche zu entdecken. Zwei Milliarden Menschen auf der ganzen Welt glauben, dass sich Jesus, der Sohn Gottes, der vor 2000 Jahren lebte, an diesem Ort für die Welt zum Opfer hingab.

Die Protestanten übrigens, die ohnehin keinen Anteil an der Kirche haben, gedenken dieses Ereignisses in einem friedlichen Garten außerhalb der Altstadt in der Nähe des Damaskustores. Dorthin kommen täglich Gruppen von protestantischen Gläubigen um zu beten. Für protestantische Christen ist der genaue Ort, an dem Jesus hinfiel oder an einem Stein betete weniger wichtig. Es geht ihnen viel eher um die passende Atmosphäre und so friedlich wie im Gartengrab lässt es sich wohl an kaum einem Ort innerhalb der Altstadt beten.

Jesu Grab im Inneren der Grabeskirche

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